DAX aktuell: Die Stimmung ist besser als die Lage

DAX aktuell: Die Stimmung ist besser als die fundamentale Lage

Da der DAX aktuell (und immer) am Tropf der USA hängt, hinterfrage ich den Kurstreiber des gestrigen Freitags. Das war die US-Verbraucherstimmung der Uni Michigan für April 2009.

Die Meldung vom 17.04.2009: Der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der Uni Michigan für die USA notiert im April bei 61,9. Erwartet wurde er im Bereich 58,5 bis 59,0. Im Vormonat hatte der Index noch bei 57,3 notiert.

Und heute, am 18.04.2009, können Sie in den Medien lesen: „Verbrauchervertrauen macht Anlegern Mut.“ Der „Mut“ trieb den DAX aktuell auf bis zu 4.680 Punkte. Ich hinterfrage aber das US-Verbrauchervertrauen. So wird dieses definiert:

Für dieses Ergebnis werden von der University of Michigan landesweit 500 repräsentative Haushalte telefonisch befragt. Es geht dabei um die aktuelle Lage dieser Haushalte, konkret um die Erwartungshaltung des befragten Haushaltes und seiner Einschätzung für die gesamte US-Wirtschaft. Der Index ist saisonbereinigt.

6 kritische Anmerkungen

1. Es werden 500 Haushalte befragt. Rund 300 Millionen Einwohner (vom Kind bis zum Greis) haben die USA. Das heißt, es werden rund 0,0002% aller erwachsenen Einwohner befragt. Ich frage die Statistiker, wie soll das repräsentativ sein? Zum Vergleich: Für den deutschen IFO-Geschäftsklimaindex werden immerhin 7.000 deutsche Firmenchefs befragt.

2. „Es werden befragt“, heißt es. Wer fragt wen? Zuerst: Wie qualifiziert und motiviert ist der Frager? Lässt sich der Einfachheit halber nicht auch so mal ein Kreuzchen für ja oder nein setzen, damit es schneller geht? Und dann: Wer aus dem Haushalt wird befragt? Der 20-jährige arbeitlose Sohn oder die etwa gleichaltrige studierende Schwester? Die Frau des Hauses oder der Mann? Die Antworten dieser Personen sind sicher unterschiedlich, möglicherweise gegensätzlich. Sie kommen aber als repräsentativ in die Statistik.

3. Der Verbraucherstimmungsindex ist vorläufig. Wieso ist das Ergebnis bei 500 befragten Personen vorläufig? Diese Mini-Statistik wertet man doch per Hand schon in wenigen Minuten abschließend aus. Ein Computer wirft das endgültige Ergebnis in Sekundenbruchteilen aus. „Vorläufig“ lässt aber Spiel für spätere Korrekturen. Vielleicht war es dann doch nicht so gut mit der Stimmung . . . Macht ja nichts. Das Ergebnis stimmt, DAX aktuell: 4.680 Punkte.

4. Wer wählt die repräsentativen Haushalte nach welchen Kriterien aus? Nehmen wir heute mal die Angestellten oder lieber die Selbständigen als Schwerpunkt der Befragten? Sicher, es heißt: repräsentativ. Aber bei 500 Befragten von rund 300 Millionen ist das schlicht unmöglich, wenn der Verantwortliche  im Vorfeld nicht filtert und damit die Umfrage steuert, manipuliert.

5. Und wie sieht es mit der Ehrlichkeit des jeweils Befragten aus? Stellen Sie sich vor, bei Ihnen klingelt das Telefon. Eine nette Stimme säuselt und wünscht Ihnen einen guten Tag. Anschließend fragt Sie die Stimme nach Ihrer finanziellen Lage. Logisch, dass Sie diese detailliert und schonungslos darstellen! So etwa: Leider bin ich nach 25 Jahren in derselben Firma gerade auf Hartz IV gerutscht. Oder: Machen Sie schnell, ich muss noch ein paar Millionen an der Börsen anlegen. Sagen Sie das etwa nicht? Und mit derselben Wahrhaftigkeit, die Sie gerade fühlen, wenn Sie an diese Frage denken, werden auch die 500 Befragten antworten. Repräsentativ natürlich.

6. Der Index ist saisonbereinigt. Wunderbar, sage ich da. Der Ober-Statistiker bereinigt und interpretiert die Daten so, wie er sie halt braucht. Oder vielleicht, wie man ihm von hoher Stelle gesagt hat, dass die Daten gewünscht werden?

Das Ergebnis ist dann so, dass der DAX aktuell nach oben getrieben wird. Entsprechend natürlich auch der Dow Jones und andere Indizes. Wie gewünscht. Denn dadurch steigen die Aktien der Banken. Dadurch steigt die Bewertung der Banken. Dadurch ist die finanzielle Lage der Banken vorübergehend weniger dramatisch. Dadurch sinkt der Druck auf die Politik. Und das wünscht sich wohl jeder Politiker.

DAX aktuell: Die Stimmung ist besser als die Lage

Und dadurch ist im DAX aktuell die Lage entspannter. Getragen wir das aber nur durch die (manipulierte?) Stimmung und nicht durch die fundamentale Lage. Denn fundamental hat sich noch nichts geändert. Die Krise ist im vollen Gange. Gute Stimmung? Salopp gesagt: 20 Studenten am Telefon mit entsprechendem Auftrag machen es möglich.

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Kommentare

  1. Kurt Gruber sagt:

    Sogar unter der Annahme,dass die Befragung perfekt geplant und durchgeführt wurde, ist die Differenz von 57.3 auf 61.9 statistisch nicht sicher. Gemäss Fisher-Test ist immerhin noch zu 16% wahrscheinlich, dass sich die Ergebnisse nur zufällig unterscheiden. Von statistisch signifikanten Unterschieden spricht man üblicherweise erst falls diese Wahrscheinlichkeit unter 5% ist. Es sieht so aus, dass das liebe Publikum wie bei den Inflationsraten betrogen wird.

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