„Spätester Termin zur Positionsschließung“ besser als Stop-Loss

Eine Stop-Loss-Order ist grundsätzlich eine sinnvolle Einrichtung, weil Sie so Gewinne absichern bzw. Verluste begrenzen. Eine Stop-Loss-Order legen Sie wie eine „normale“ Verkaufsorder in den Markt. Anstatt eines festen Verkaufslimits legen Sie einen Kurs fest, der unterhalb des aktuellen Kurses liegt. Wird dieser Kurs erreicht oder unterschritten, werden die Wertpapiere zum bestmöglichen Kurs verkauft.

Stop-Loss-Order in Zahlen
Sie haben an der Eurex eine Option zum Kurs von 2 € gekauft. Diese wollen Sie möglichst mit dem 100%-Ziel-Gewinn, also zum Kurs von 4 €, verkaufen. Nach einer Zeit notiert diese Option mit 3 €. Ein schöner Buchgewinn von +50%. Auf der einen Seite wollen Sie die Chance auf den 100%-Ziel-Gewinn erhalten. Auf der anderen Seite wollen Sie aber nicht, dass Ihnen dieser Buchgewinn von +50% verlorengeht. Das ist eine Ausgangssituation, um eine Stop-Loss-Order einzusetzen. Wenn Sie das Stop-Loss-Limit auf 2,50 € festlegen, sichern Sie sich (theoretisch) einen Gewinn von 25% (Kauf zu 2 €, Verkauf gegebenenfalls zu 2,50 €). Kommt es nach der Platzierung Ihrer Stop-Loss-Order zum Kurs von 2,50 € oder niedriger zu Umsätzen, wird das Stop-Loss ausgelöst. Ihre Optionen werden zum bestmöglichen Kurs verkauft. Liegt der folgende Umsatz wieder bei 2,50 €, werden Ihre Optionen verkauft. Sie haben einen Gewinn von 25% (Kauf zu 2 €, Verkauf zu 2,50 €) realisiert.

Optionen: Stop-Loss-Order hat 2 Risiken
Im obigen Zahlenbeispiel liegt Ihre Verkaufsorder nach Auslösung des Stop-Loss mit dem Limit „bestens“ im Markt. Das heißt: Ihre Optionen werden zu dem danach bestmöglich erreichbaren Kurs verkauft. Das hat folgende Risiken:

1. Risiko: Hohe Hebelkraft sorgt für volatile Kurse
Optionen haben eine große Hebelwirkung. Deshalb ist eine hohe Schwankungsbreite (Volatilität) bei Preisen von Optionen normal. Das kann im obigen Beispiel aber dazu führen, dass der Kurs Ihrer Option deutlich unter 2,50 €, auf 2,20 € oder auch 2 €, fällt. Gibt es dann den nächsten Umsatz bei 2 €, wird Ihre Option auch zu diesem Kurs verkauft. Eventuell haben Sie dann zum Tagestiefkurs und zu billig verkauft. Wenn der nächste Umsatz nach der Auslösung Ihrer Stop-Loss-Order sogar unter 2 € liegt, hätten Sie sogar einen Verlust realisiert.

2. Risiko: Wenig Umsatz in der Option
Die europäische Terminbörse eilt von Rekordumsatz zu Rekordumsatz. Grund: Immer mehr Anleger handeln mit Optionen anstatt mit Optionsscheinen, Zertifikaten etc. Trotzdem gibt es an der Eurex immer noch Optionen mit wenig Umsatz. Das kann sich bei einer Stop-Loss-Order für Optionen negativ auswirken. Im obigen Beispiel liegt Ihre Verkaufsorder „bestens“ im Markt. Der Verkauf findet also zu jedem erreichbaren Kurs statt. Wenn es hier nur eine geringe Kaufnachfrage gibt, kann es sein, dass ein Optionen-Trader diese Option mit einem „Abstauber- Limit“ kaufen will. Er hat möglicherweise eine Kauforder mit dem Limit von 1,00 € im Markt. Dieser Kurs ist dann der bestmögliche Kurs. Ihre Option wird zu 1,00 € verkauft, obwohl sie rund 2,50 € wert ist. Hier wäre es zu einem realisierten Verlust gekommen, weil Sie einen Gewinn von 25% per Stop-Loss- Order absichern wollten.

Spätester Termin zur Positionsschließung besser als Stop-Loss
Natürlich gibt es auch Trades, bei denen eine Stop-Loss-Order ein besseres Ergebnis eingebracht hätte als das Halten der Option. Die oben aufgezeigten beiden Risiken führen aber dazu, dass die Nachteile überwiegen. Eine konsequent angewandte Stop-Loss- Strategie im Optionen-Handel bringt im Gesamtergebnis eine deutlich schlechtere Performance, als auf diese zu verzichten. Wegen der beiden obigen Risiken rate ich für den Optionen-Handel von Stop-Loss-Orders ab. Für meine Empfehlungen nutze ich den „spätesten Termin zur Positionsschließung“. Dies ist eine Art „zeitliches Stop-Loss“. Wenn sich eine Option bis zum jeweils von mir genannten „spätesten Termin zur Positionsschließung“ nicht zufriedenstellend entwickelt hat, empfehle ich den Verkauf. Der „späteste Termin zur Positionsschließung“ liegt immer sehr lange vor dem Verfallstag der Optionen. Danach gibt es ausreichend Zeit zu einem Ausstieg mit einem angemessenen Limit.

 

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