Börsen wetteten auf Konjunkturpaket und legten zu

+++  Kursgewinne sind noch keine Trendwende  +++  Ein gut geführtes Depot muss jederzeit Puts beinhalten  +++

Börsen wetteten auf Konjunkturpaket und legten zu

In der vergangenen Woche wurden die US-Börsen durch die abzusehende Verabschiedung des US-Konjunkturpaketes getrieben. Die Hoffung auf dieses Paket wog sogar stärker als die katastrophalen Arbeitsmarktdaten: Die Arbeitslosenquote stieg von 7,2 % auf 7,6 %. Die amerikanischen Unternehmen strichen im Januar 2009 also so viele Stellen wie seit den 70-er Jahren nicht mehr. Damit ist vorprogrammiert, dass es zu Einbrüchen im privaten Konsum kommen wird.

Die Investoren wetteten aber darauf, dass diese schlechte Konjunkturlage den US-Senat zur Zustimmung zum 900 Milliarden USD schweren Konjunkturpaket treiben werde.

Das Ergebnis an den Märkten:

Der Dow Jones gewann am Freitag +2,7 % und schloss mit 8.280 Punkten. Wie meist, folgte der DAX dem US-Leitindex Dow Jones. Er legte um +2,97% zu und schloss mit 4.644 Punkten.

Nach US-Börsenschluss kam dann auch die Einigung im US-Senat. Der ausgehandelte Kompromiss sieht jedoch einen deutlich verringerten Umfang des Konjunkturpaketes (jetzt 780 Milliarden USD statt 900 Milliarden USD) vor.

Kursgewinne der Börsen sind noch keine Trendwende

Der DAX hat sich mit seinem Schlusskurs von 4.644 Punkten ein gutes Stück von der 4.000-Punkte-Marke nach oben abgesetzt. Das ist aber keine Trendwende. Der Dow Jones notiert mit 8.280 Punkten sogar weiterhin nur 3,4% oberhalb der psychologisch wichtigen Marke von 8.000 Punkten. Dieses ist nur eine geringfügige Aufwärtsbewegung im intakten Abwärtstrend.

Und nun ist das Pulver zur Rettung der Märkte so gut wie verschossen. Es muss wirken. Die Zinsen in den USA liegen bei null Prozent. Das US-Konjunkturpaket ist verabschiedet. Die US-Notenbank (Fed) hat freie Hand, die Geldmenge beliebig zu erhöhen. Darüber hinaus kauft die Fed US-Staatsanleihen. Das heißt, sie erhöht weiter die Geldmenge. Das führt zu einer hohen Inflation.

Haben die USA und Präsident Barack Obama damit die Trendwende in der Wirtschaft geschafft? Und gelingt dieses in China, Europa und in anderen wichtigen Industriestaaten? Ich denke, das ist kurzfristig nicht möglich.

Dafür haben die Versager in den Banken zu hohen Schaden angerichtet. Viele Banken sind faktisch insolvent. Und es ist ja nach wie vor nicht mal bekannt, wie hoch der Gesamtschaden wirklich ist. Die Banken vertrauen sich untereinander weiterhin nicht. Die geänderten Bilanzierungsregeln sorgen sogar für massives Misstrauen.

Exkurs: Unternehmen müssen ihre Vermögenswerte teilweise nicht mehr mit dem aktuellen Marktwert, sondern können diese mit einem Buchwert bewerten. Damit sind Bilanz-Tricksereien Tür und Tor geöffnet. Ein Beispiel: Die Citigroup bewertet in ihren Büchern bestimmte CDOs (Kreditprodukte) mit 0,60 USD je Papier. Merrill Lynch hat vergleichbare CDOs zu 0,02 USD verkauft. Der am Markt zu realisierende Preis beträgt also nur den dreißigsten Teil dessen, was die Citigroup in ihren Büchern als Wert ausweist.

Zurück zum Markt: Kredite an Unternehmen fließen noch nicht. (Dem fiel gerade das Traditionsunternehmen Märklin zum Opfer und wurde insolvent.) Also muss weiter Geld in die Wirtschaft gepumpt werden. Solange bis der Geldkreislauf wieder in Schwung kommt.

Dann müssen die Staaten aber ihre exorbitanten Schuldenberge abbauen. Das heißt, sie müssen die Liquidität wieder aus dem Markt nehmen. Diese Maßnahme wird nicht einfacher, als den jetzigen Zusammenbruch der Märkte zu verhindern.

Ich wünsche Präsident Obama und seinen Kollegen Staatslenkern, dass sie diese enormen Aufgaben lösen können. Aber ich bin skeptisch. Ich erwarte weitere Turbulenzen an den Börsen und neue Tiefstände wären keine Überraschung für mich.

Ein gut geführtes Depot muss jederzeit Puts beinhalten

Die Weltwirtschaft und Börsenkurse gleichen derzeit einem Seiltanz. Der kann gut gehen. Aber ein Seiltänzer stürzt gegebenenfalls plötzlich und jäh ab. Mag sein, dass er eine Zeit sehr stabil läuft. So die Börsen in den letzten Tagen. Aber sein Netz wird der kluge Seiltänzer deswegen nicht abbauen.

Und eine vergleichbare Sicherheit empfehle ich auch für ein gut geführtes Depot: Halten Sie Puts!

Natürlich haben Puts in den letzten 5 Tagen deutlich an Wert verloren. Das gehört dazu. Denn sie wissen nicht, wann sie die Puts brauchen. Diese müssen also im Depot liegen. Wenn Sie Ihre Investitionen (Calls) mit Puts absichern, haben Sie aber diese Sicherheit:

Die Entwicklung Ihres Depots (Ihre Performance) kann vorübergehend dadurch leiden, dass die Puts an Wert verlieren. Aber einen katastrophalen Absturz kann es nicht geben. Im Gegenteil: Schaffen die Börsen die Trendwende nach oben, erzielen die Calls mehr Gewinne als die Puts verlieren. Und stürzen die Börsen erneut ab, erzielen Sie hohe Gewinne mit Puts.

Ich bin immer mit Netz und doppeltem Boden an den Börsen unterwegs. Deshalb sende ich Ihnen unbeschwerte Grüße

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